Vom Außenseiter zum Hobby-Casanova
Eines der Hauptprobleme der Männer heutzutage scheint es zu sein, Frauen anzusprechen, sie von sich überzeugen zu können und mit ihnen anzubändeln. Das Internet und die Literatur bieten eine Vielzahl an (mehr oder weniger) hilfreichen Tipps und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Thema “Wie flirte ich richtig?”. Bücher wie “Frauen ansprechen und mit nach Hause nehmen” sollen den gewünschten Erfolg beim weiblichen Geschlecht bringen. Inzwischen gibt es Date-Doktoren, Flirt-Coaches und Pick-Up-Artists, die mit ihren eigenen Erfahrungen und ihrer persönlichen “Früher war ich genauso erfolglos wie Du, doch dann wandte ich Trick soundso an!”-Geschichte locken und angeblich jedem beibringen können, wie man Frauen verführen kann.
Die Quintessenz auf die Frage “Wie flirte ich richtig” Wie flirte ich richtig? ist dabei meist dieselbe:
“Sei selbstbewusst!
- Wer ohne Selbstbewusstsein auf eine Frau zugeht, der riskiert eine sofortige Abfuhr.
Zeig Gefühle!
- Denn Frauen lieben Gefühle.
Suche den Körperkontakt!
- Gehe nicht zu sehr auf Distanz. Berühre sie hin und wieder, wie zufällig.
Rede nur über die schönen Dinge!
- Keine Frau will etwas über Ihre Arbeitslosigkeit, Ihre Ängste oder Ihre Sorgen hören.”
Das Internet steckt voll von solchen Tipps, meist mit dem Versprechen sofortigen Erfolgs. Hinzu kommen noch Anweisungen, die nahelegen, dass keine Frau es wert ist, mehr Zeit als nötig mit ihr zu verbringen – und meistens ist es nur die Zeit, die man vom Ort des Kennenlernens bis ins eigene Bett benötigt.
Jemandem das Selbstbewusstsein zu verschaffen, dass er benötigt, um eine Frau überhaupt erst anzusprechen, kann eine gute Sache sein, jedoch sollte man nicht jeden Mann zum Westentaschencasanova machen wollen. In diesen Anleitungen klingt häufig der Ton an, man könne alle Frauen über einen Kamm scheren. Anstelle einer Anleitung Punkt für Punkt nachzugehen, sollte man sich lieber auf sein (weibliches) Gegenüber einlassen, auf ihre Bedürfnisse eingehen. Manche Frauen vermeiden Körperkontakt lieber, manche Frauen werden einfach nicht gerne auf Straßen angesprochen. Nicht jede hält gerne Small-Talk, manch eine Frau spricht auch gerne über ernste Themen. Und nicht jede Frau möchte einen überemotionalen Mann, der ihr mit Tränen in den Augen von seinem Fischbrötchen zum Frühstück erzählt. Frauen sind eben nicht alle gleich.
Der Mann, das Raubtier
Heutzutage, wo Pick-Up-Artists nur das Bestreben haben, Frauen ins Bett zu befördern, um andernorts mit ihren Eroberungen zu prahlen, sind viele Frauen vorsichtig. Man sollte nicht nur darauf achten, selbstbewusst aufzutreten, sondern auch die Situation abpassen. Sieht eine Frau beschäftigt, gehetzt oder distanziert aus, möchte sie vermutlich nicht angesprochen werden. Wenn es bereits dunkel ist und sie es eilig hat, sollte sie ebenfalls nicht angesprochen werden – es ist offensichtlich, dass sie nach Hause möchte und vermutlich Angst vor sexuellen Übergriffen hat. Eine Frau, die in der Disco auf der Tanzfläche tanzt, tut dies vermutlich nicht nur, damit man sie antanzen kann.
Wie flirte ich denn nun richtig?!
Wie man richtig flirtet, lässt sich nicht so pauschal sagen, wie Mann es vermutlich gerne hätte. Es gibt kleinere Hilfen, die einem aber nicht nur im Umgang mit Frauen, sondern im Leben generell helfen:
- ein selbstbewusstes Auftreten
- zu wissen, was man will
- sich nicht entmutigen lassen
- immer wieder neue Versuche wagen
- niemals aufgeben
- Interesse am Gegenüber zeigen
Letztlich gilt es doch, für jede Frau den richtigen Ton, die richtige Distanz und die richige Umgangsart zu finden. Da hilft auch kein Date-Doktor, der sagt: so kannst du Frauen verführen!
Die Frage ist also nicht: “Wie flirte ich richtig”, sondern: “Wie flirte ich mit diesem Menschen richtig?” Eine Komplettlösung für das Erobern einer Frau gibt es nicht – und das ist auch gut so, denn wo wäre denn der Nervenkitzel, der Reiz, eine Frau anzusprechen, wenn alles so läuft, wie man es vorher geplant hat?


